Rumänienfahrt der Maurer und Zimmerer der Berufsbildenden Schulen II Northeim

Bei der Projektfahrt nach Rumänien kam es zu einem gemeinsamen Arbeitseinsatz von zehn Schülern der Abteilungen Bau- und Holztechnik an den BBS II Northeim und zehn Schülern der Jugendbauhütte Pretai aus Rumänien. (Hier in Ausbildung zum Erwerb eines staatlichen Zertifikats in der rumänischen Handwerkerausbildung).

In dem kleinen Ort Pretai nahe Medias wurden in der dort bestehenden Jugendbauhütte Renovierungsarbeiten an der siebenbürgisch- sächsischen Kirchenburg durchgeführt, die Teil des Unesco Weltkulturerbes ist . Trotz kleiner Versorgungs- und Ausrüstungsdefizite, konnte man durch entsprechende Flexibilität und Ideenreichtum zu einem recht ansehnlichen Arbeitsergebnis kommen.

 

Folgende Arbeiten wurden durchgeführt:

-    Aufnahme eines Teils des Kirchenbodens (Bretter und Lagerhölzer)

-    Ausschachten eines Teils des Kirchenbodens von ca. 40 cm und Einbringen einer kapillarbrechenden Kiesschicht und einer dampfdiffusionsoffenen Folie

-    Einbringen und Ausrichten neuer Lagerhölzer aus Eiche

-    Putzarbeiten im Nordschiff der Kirche und am Eingangsturm

-    Einbringen eines Laufsteges in gesamter Länge des Dachstuhls

-    Mauerarbeiten im Bereich über dem Chor (Auflager für Balken und Ausbesserungen)

-    Aufnahme des Daches im Eingangsbereich des Torturmes, Auswechslung defekter Sparren, neue Einlattung und Deckung mit Mörtelkehle, Anbringen einer Dachrinne

-    Einbau einer neuen Zugangstreppe als Aufgang zum Torturm

-    Malerarbeiten im Bereich des Torturmes

-    Mauern von Auflagern im Gewölbekeller des Pfarrhauses aus Naturstein

-    Weitere Arbeiten: Herstellen einer Sickergrube, Aufräumarbeiten, weitere kleine Verputz-, und Mauerarbeiten, Erstellen eines Laufstegs im unteren Turmbereich

 

Es wurden zudem gemeinsame Fahrten nach Hermannstadt, Schäßburg und Reichesdorf durchgeführt. Dabei wurden drei Museen besucht und man besuchte gemeinschaftlich eine deutsch-rumänischen Hochzeit . Eine Abordnung von Handwerksmeistern besuchte uns und nahm an der Fahrt nach Hermannstadt teil. Zwei Schulen wurden besucht und mit einer eine weitere Zusammenarbeit vereinbart. Es gab einen kurzen Besuch der Gesellenherberge in Hermannstadt und weitere Kontakte mit Wandergesellen.

Der freie Voigtländer und Wandergeselle Walter Lamprecht bessert mit Maurerlehrlingen einen Bogen im Dachstuhl oberhalb des Kirchenchores aus.

Ein zuvor erstellter Laufsteg ermöglicht das barrierefreie Erreichen des Arbeitsplatzes auch für zukünftig anfallende Arbeiten.

Vor dem Entfernen der Kirchenbänke musste alles genau ausgemessen und skizziert werden.

Nachdem der Bretterboden entfernt war wurde der Boden durch Kies ausgetauscht.

Wo noch vor Tagen Kirchenbänke auf morschen Boden und vor brüchigem Putz standen, ist nun Putz ausgetauscht. Eine kapillarbrechende Kiesschicht mit einer dampfdiffusionsoffenen Folie schützt die neuen Eichenbalken in Zukunft vor Feuchtigkeit.

Lagebesprechung! Beim Entfernen der alten Brettschalung offenbart sich ein unerwarteter Bauschaden. Das rechte Auflager des Rähms ist zu großen Teilen verfault.

Die Konstruktion muss abgefangen und der rechte Stiel kurzfristig entnommen werden.

Eine Reperaturverbindung in Form einer senkrechten Verblattung, mit Hilfe von Schraubenbolzen und zweiseitigen Einpressdübeln wird angebracht.

Das faule Holz wird gegen neues Eichenvollholz ausgetauscht. Aus statischen Gründen kommt eine reine Holzverbindung hier nicht in Frage!

Nachdem das Dach schon mit Dachrinne fertiggestellt ist, müssen Dachdecker und Zimmerer nun doch noch länger als erwartet am Objekt arbeiten. Die Tischler sind mit einer eingeschobenen Treppe (links im Bild) beschäftigt. Es fehlt noch der Handlauf.

Der Toreingang ist in historischer Bauweise restauriert!

Deutsche und rumänische Handwerker der beiden Lehrgruppen vor dem Aufgang zum westlichen Wehrturm der Kirche

Ausflüge und Besuche

Der Kreishandwerksmeister Herr Hupe besuchte unsere Baustelle in Rumänien mit weiteren Meistern der Baugewerken Innung Northeim-Einbeck vom 09.06.2012- 12.06.2012.

Zusammen besuchte man das größte Freilichtmuseum Europas „Astra“ mit vielen bautechnischen Exponaten (siehe Foto  links) und das Zentrum von Hermannstadt (siehe Foto vor der Kulisse der Harteneckschen Türme rechts).

 

Mit der Direktorin der Schule für Holzverarbeitung in Hermannstadt Frau Mihaela Sultanu wurde vereinbart eine zukünftige Zusammenarbeit in die Wege zu leiten.

(von links nach rechts Herr Homrighausen Teamleiter Bautechnik, Frau Sultanu, Herr Heege Teamleiter Holztechnik).

Es gab in Hermannstadt zudem noch eine zufällige Begegnung mit dem deutschen Generalkonsul Thomas Gerlach, der unsere Anwesenheit sehr positiv aufnahm.

 

Weitere Highlights waren der Besuch der Stadt Schäßburg mit dem Besuch zweier Museen und der Besuch einer deutsch- rumänischen Hochzeit in Reichesdorf, bei welcher wir mit unseren Stenzen (Wanderstöcken) im Spalier vor der Kirche standen (siehe Foto).

Der Bräutigam Christian Rummel ist ein ehemaliger Wandergeselle, der in Rumänien seine Frau Anna kennenlernte und sich nun dort niedergelassen hat. Bei In Bei der Andacht von Pfarrer Ziegler aus Birthälm begrüßte dieser insbesondere die deutschen Handwerker aus Northeim und Umgebung und bat um ein günstiges Gelingen der Bauarbeiten.

Wenn die Wandergesellen Geschichten von ihrer „Tippelei“ erzählten, hörten die Auszubildenden interessiert zu und stellten allerlei Fragen über das abenteuerliche Leben auf der Wanderschaft.

Bei der Hochzeitsfeier führten wir zusammen mit Wandergesellen einen zünftigen Handwerksklatsch mit Handwerksliedern auf.

(siehe youtube unter:alte Traditionen, in Reichesdorf vorgeführt).

Weitere Handwerksklatsche wurden auf dem großen Ring in Hermannstadt und in Pretai öffentlich aufgeführt. Insbesondere bei den Siebenbürger Sachsen, die solchen Darbietungen beiwohnten merkte man die Freude über die Landsleute in ihrer typischen Handwerkskluft und über die gesungenen deutschen Handwerkslieder an und nicht wenige gaben uns die Hand, machten Fotos zusammen mit uns oder sagten wir sollten doch recht bald wiederkommen. Gerade die gelebten Handwerkstraditionen trugen bei unseren deutschen Auszubildenden dazu bei ein sehr starkes Gemeinschaftsgefühl und auch Berufsstolz zu entwickeln. Ausnahmslos alle Schüler betonten, bei der nächsten Fahrt wieder mit dabei sein zu wollen und auch die Handwerksmeister planen schon einen neuen Besuch.

Bilder aus Pretai

Für ordentliches Essen war gesorgt. Bei „Mama Rosi“, einer einheimischen Sächsin, stand keiner hungrig vom Tisch auf.

Hier unser Essenstisch für Frühstück, Mittag und Abendbrot, Grillen, sowie für geselliges Beisammensein im Innenhof. Typisch für siebenbürgisch- sächsische Dörfer sind die langgezogenen, giebelständigen, aneinander gereihten Bauernhöfe mit jeweils eigenem Brunnen im Hof.

Für ordentliches Essen war gesorgt. Bei „Mama Rosi“, einer einheimischen Sächsin, stand keiner hungrig vom Tisch auf.

Hier unser Essenstisch für Frühstück, Mittag und Abendbrot, Grillen, sowie für geselliges Beisammensein im Innenhof. Typisch für siebenbürgisch- sächsische Dörfer sind die langgezogenen, giebelständigen, aneinander gereihten Bauernhöfe mit jeweils eigenem Brunnen im Hof.

Unser Maskotchen für die Zeit in Pretai: „Tommy“, benannt nach „Papa“ Thomas Heege. Ein  Hundewelpe der in unseren Pfarrhof abgelegt und von uns liebevoll aufgezogen wurde.

Besonders beeindruckten auch die Gebäude der Roma in unserem Ort Pretai. Die Familien leben darin in nur einem großen Zimmer und das Essen wird im Garten zubereitet. Das riesige Haus dient mehr dem Prestige als der eigentlichen Nutzung.

(Von hinten nach vorn): Herr Hagemeier, Herr Schonlau und Herr Maeck vor einem der Häuser der Roma in Pretai.

Am Ende der Zugfahrt von Schäßburg nach Pretai taucht „unsere“ Kirchenburg majestätisch auf dem Burgberg vor dem Tal der Kokel auf. In Rumänien war es tatsächlich unser zu Hause.

Photografisch kein gelungenes Bild, doch gibt es gut die Stimmung am Abend auf dem Dorfanger in Pretai wieder. Ein großer Krähenschwarm umkreist die Kirchenburg, im Vordergrund brechen Romafrauen Lindenzweige von den Bäumen um Lindenblütentee aus den Blüten zu machen.

Im Gegensatz zu Deutschland spielt sich ein Großteil des Lebens vor den Häusern ab. Am Abend wimmelt es in den Straßen und Plätzen von Leuten.